Pizza Hut

Pizza Hut

Pizza Hut in Zahlen, Deutschland

  BdS Gründungsmitglied
Mitarbeiter 2.500
Restaurants 84
75 davon Franchisebetriebe
Umsatz 2020 42,5 Millionen Euro
Pizza Hut

Pizza Hut wurde bereits 1959 von den Brüdern Frank und Dan Carney aus Wichita, Kansas, ins Leben gerufen, als sie ihr erstes Pizzarestaurant eröffneten und damit die Basis für das heute bekannte Pizza Hut schufen. Das unscheinbare Gebäude (Hut = Hütte) war nicht nur Namensgeber des Lokals, sondern auch der heute weltbekannten Marke. Pizza Hut umfasst derzeit rund 18.000 Restaurants in fast 100 Ländern.

Seit 2002 gehört Pizza Hut zusammen mit den Marken KFC und Taco Bell zum Unternehmen Yum! Brands, Inc. Das erste Pizza Hut Restaurant in Deutschland eröffnete 1983. Nach wie vor wird der Großteil dieser Standorte durch Restaurants mit Tischservice abgedeckt, jedoch werden in den nächsten Jahren neben Dine-in-Restaurants auch vermehrt Delivery-Einheiten und Express-Stores eröffnet. Nachdem 2013 der erste Delivery-Standort eröffnet worden war, konnten in den letzten Jahren neun weitere Delivery-Restaurants ihre Pforten für den Pizzagenuss öffnen. An diesen Standorten gibt es keinen Tischservice. Der Fokus liegt auf dem Liefergeschäft, aber auch attraktive Take-away-Angebote zum Selberabholen warten auf Pizza Hut Fans.


Matthias Kern
Matthias Kern, Brand President Pizza Hut Director Deutschland

Rück- und Ausblick von Matthias Kern, Brand President Pizza Hut Director Deutschland

Wie bewerten Sie das Geschäftsjahr 2020?

Wie die gesamte Gastronomie weltweit, war auch Pizza Hut Deutschland von Covid-19 und den damit verbundenen Einschränkungen betroffen. Da mehr als 70 % des Pizza Hut Umsatzes im Inhouse-Geschäft erzielt werden, haben besonders die Lockdowns die Ergebnisse geschmälert. Bereits im März haben wir unser Programm „Rock Delivery in Germany“ gestartet, um einen zusätzlichen Kanal für unsere Franchisepartner zu aktivieren. Hatte Pizza Hut vor Corona nur 11 Delivery Stores in Deutschland, bieten jetzt 66 der 84 Restaurants Lieferservice an.

Der Umsatz über digitale Kanäle (Webseite, Lieferando) konnte so von 4 % Umsatzanteil auf 25 % Umsatzanteil (bezogen auf den durchschnittlichen Monatsumsatz 2019) gesteigert werden. Durch die Steigerung des Delivery- und To-go-Geschäfts konnte der sehr negative Covid-19 Impact wenigstens teilweise abgefedert werden. Wir mussten jedoch einen Umsatzrückgang von ca. 20 Mio. € im Vergleich zum Systemumsatz 2019 hinnehmen. Die guten Vergleichsmöglichkeiten und der permanente Erfahrungsaustausch mit Pizza Hut Kollegen auf internationaler Ebene haben hier auch sehr dazu beigetragen, dass die Auswirkungen von Corona nicht noch schlimmer gewesen sind.

Wir erzielten eine Punktlandung durch den Launch der 3-für-15-€-Aktion mit einer bundesweiten Outdoor-Aktion direkt zum Ende des ersten Lockdowns. Spaß und Lebensfreude verbreiteten wir mit den neuen Limonaden von Pizza Hut im Juli 2020. Wir hatten eine gelungene Kooperation zum Start der LIDL PLUS App in Deutschland, die den Anteil der Webseitenbesuche während der Aktion stark gesteigert hat. Die Winterpromotion brachte mit drei zusätzlichen Geschmacksrichtungen im Rand unserer Cheezy Crust weitere Vielfalt – auch 2020 blieb die Innovationskraft von Pizza Hut auf Kurs. Viel Freude brachte unseren Gästen auch die leckere Dessert-Aktion in Kooperation mit Lotus Bischoff: Breadstick Lotus Bischoff sowie die gratis Lavazza Coffee Drinks für den gewissen Kick zum Jahresende für unsere Gäste.

Was sind Ihre Erwartungen für das Jahr 2021?

Je nach Zeitpunkt der teilweisen oder ganzen Öffnungen wird der größte Teil von 2021 davon geprägt sein, möglichst flexibel auf die permanenten Änderungen der Rahmenbedingungen und des nicht vorhersehbaren Kundenverhaltens zu reagieren. Wir werden weiter den Fokus auf den Ausbau des Delivery- und To-go-Geschäfts legen. Wichtigster Punkt wird die weitere Einführung von Technologie sein, um den Erwartungen der Gäste Rechnung zu tragen. Dinge wie BYOD (Bring Your Own Device), Curbside Pickup sind hier nur zwei Themen neben Fahrermanagementsystemen und Store-Manager-Apps. Expansion, besonders bei Delivery-Standorten, wird eines der zentralen Themen sein. Mit allen Maßnahmen möchten wir das Umsatzlevel 2019 wieder erreichen und sind hoffentlich im Sommer ohne Einschränkungen auch im Dine-in über dem Umsatz von 2019.

Welche Neuerungen gibt es in Ihrem Konzept?

Wir möchten insbesondere bei der Digitalisierung weitere Fortschritte machen. Dabei wollen wir zum einen das Kundenerlebnis verbessern, aber auch den Arbeitsalltag für unsere Teams vor Ort in den Stores vereinfachen. Ein großes Projekt ist in diesem Zusammenhang die Implementierung der HutBot-App. Der HutBot ist wie ein Area Coach in der Hosentasche, der zunächst die gesamte HACCP-Dokumentation digitalisiert, sodass auf Papierchecklisten weitestgehend verzichtet werden kann. Darüber hinaus gibt die App den schichtführenden Managern Tipps zur kontinuierlichen Verbesserung der Qualität und Performance. Dabei greift die App auf unterschiedliche Datenquellen wie Gästefeedbacks und Ergebnisse aus Qualitätskontrollen zurück, um jedem Restaurant zielgerichtete und individualisierte Verbesserungspotenziale aufzuzeigen. Dabei entwickelt sich die App durch Machine Learning stetig weiter. Erste Restaurants in Deutschland befinden sich bereits in der Testphase. Zur Unterstützung im Delivery-Bereich haben wir 2020 mit Dragontail Systems das Fahrer- und Küchenmanagementsystem getestet und wollen diese AI-Lösung in möglichst vielen Stores mit Lieferservice ausrollen.

Wie haben Sie die Corona-Krise erlebt?

Corona war natürlich für uns zunächst ein Schock und schnell war klar, dass hier zum ersten Mal eine ernsthafte Bedrohung für die Gastronomie bevorsteht. Der Spruch „Gegessen wird immer“, der die Gastro als krisensicher bezeichnet, ist nun veraltet. Uns hat der Erfahrungsaustausch international sehr geholfen. So hatten wir bereits Ende Februar umfangreiche Best-Practice-Berichte aus Asien und konnten schnell reagieren. Die starke Erholung im Sommer hat gutgetan und gibt einen Vorgeschmack auf den kommenden Sommer, falls eine Öffnung erfolgen wird. Bis dahin war auch das Krisenmanagement von Seiten der Regierung völlig in Ordnung. Mit dem zweiten Lockdown und allem, was danach kam, sind wir froh, auf Delivery gesetzt zu haben, denn hier gab es leider im Krisenmanagement das Gegenteil zum Frühjahr.

Welche Erfahrungen ziehen Sie aus der Krise?

Ich bezeichne Covid heute als sogenanntes Step-Change-Ereignis. Wichtige Änderungen in der Geschichte sind nicht langsam und linear eingetreten, sondern plötzlich und hinterließen eine andere Welt als vorher, wie z. B. Kriege oder wichtige Innovationen. Covid hat noch mehr denn je gezeigt, wie schnelllebig unsere Welt geworden ist und dass Informationsaustausch und Flexibilität im Management wichtiger sind als jemals zuvor. Wettbewerbsfähig wird nur der sein, der weiter Technologie intelligent einsetzt. Führungstechnisch werden das Verständnis für die Generation Z und Millenials, flexible und attraktive Arbeitsmodelle sowie Strukturen Priorität haben. Menschlich werden nach Covid noch mehr die wachsende Sensibilisierung und Polarisierung von Themen wie Sicherheit, Zuwanderung, Religionen und Ernährung nicht nur gesundheitlich, sondern auch im Umweltschutz eine große Rolle spielen. Last but not least wird die Reisetätigkeit nach Corona deutlich zu Gunsten von Familie und Freunden reduziert werden und durch Nutzung der digitalen Möglichkeiten ersetzt.


Das Interview wurde im Februar 2021 geführt.