Vom Hobby zum erfolgreichen Unternehmen

Wie zwei Quereinsteiger in der Systemgastronomie ihren Traum verwirklichten

Vor zehn Jahren stand Jessica Jeworutzki nachts in der Küche, backte vegane Donuts und verkaufte sie mit ihrem Lebenspartner Bram van Montfort am Wochenende auf Berliner Märkten. Heute beschäftigt ihr gemeinsames Unternehmen Brammibal's Donuts rund 170 Mitarbeitende und zählt zu den erfolgreichsten veganen Gastronomiekonzepten Deutschlands.

Was nach einer klassischen Gründerstory klingt, ist vor allem eines: ein Beispiel dafür, welche Chancen die Systemgastronomie Menschen mit Ideen und Unternehmergeist eröffnet.

Jessica Jeworutzki arbeitete damals als Krankenpflegerin, Bram van Montfort war Musiker und studierte Künstliche Intelligenz. Beide kamen aus einer völlig anderen beruflichen Welt. Dass sie einmal gemeinsam ein Unternehmen führen würden, hätten sie sich damals kaum vorstellen können.

Doch die Nachfrage nach ihren Donuts wuchs schnell. Neben dem Schichtdienst im Krankenhaus und den Wochenenden auf den Märkten ließ sich das Projekt bald nicht mehr nebenbei betreiben. „Irgendwann war klar: Entweder machen wir das jetzt richtig oder gar nicht“; erzählt Jessica Jeworutzki.

Gemeinsam gründen, gemeinsam wachsen

Vom ersten selbst gebackenen Donut zum erfolgreichen Gastronomiekonzept: Jessica Jeworutzki und Bram van Montfort sind die Köpfe hinter Brammibal's Donuts.

Die Entscheidung war mutig. Banken standen dem jungen veganen Gastronomiekonzept zunächst skeptisch gegenüber. Das Gründerpaar finanzierte vieles selbst, baute den ersten Laden in Eigenleistung aus und meisterte zahlreiche Rückschläge. Später kamen die Corona-Pandemie, steigende Kosten und immer mehr bürokratische Anforderungen hinzu. Trotzdem gaben sie nicht auf.

Heute ergänzen sich beide mit unterschiedlichen Stärken. Während Bram vor allem technische Themen verantwortet, kümmert sich Jessica um Produktentwicklung und Marketing. Expansion und strategische Entscheidungen treffen sie gemeinsam. Auch als Paar funktioniert diese Aufgabenteilung gut. „Ich glaube, der Vorteil bei uns ist einfach, dass wir beide sehr entspannte Menschen sind“, sagt Jessica. „Die Arbeit ist allerdings immer da, auch im Urlaub. Das sollte man nicht unterschätzen. Ein Unternehmen ist ein bisschen wie ein Kind.“

Verantwortung für 170 Menschen

Mit jedem neuen Standort wuchs das Unternehmen und damit auch die Aufgabe. Denn hinter jeder Gehaltsabrechnung stehen Menschen und Familien, eine Verantwortung, die Jessica Jeworutzki jeden Tag begleitet: „Man sieht von außen oft nur den Erfolg. Aber am Ende des Monats muss ich dafür sorgen, dass 170 Menschen ihr Gehalt bekommen.“

Was das Unternehmerpaar trotz aller Herausforderungen antreibt, sind nicht in erster Linie Umsatzzahlen oder Expansionen. Es sind die Momente, in denen sie erleben, dass ihre Idee Menschen begeistert. Wenn Gäste zum ersten Mal einen Brammibal's-Laden betreten, überrascht feststellen, dass alle Donuts vegan sind, und anschließend begeistert vor der Auslage stehen, wissen beide, warum sie diesen Weg eingeschlagen haben.
„Ich kann noch so einen schlechten Tag haben – wenn ich sehe, wie sich die Kunden freuen, dann weiß ich wieder, warum wir das machen“, sagt Jessica Jeworutzki.

Diese Begegnungen sind für sie weit mehr als schöne Momente im Alltag. Sie sind Antrieb und Bestätigung zugleich. Denn mit Brammibal's verbindet die Unternehmerin aus Berlin eine klare Vision: Menschen für pflanzliche Ernährung zu begeistern. „Wenn wir erreichen, dass Menschen positive Erfahrungen mit veganen Produkten machen und ihnen gegenüber offener werden, ist das für mich der größte Antrieb,

Eine Branche voller Möglichkeiten

Heute beschäftigt ihr gemeinsames Unternehmen rund 170 Mitarbeitende.

Für Jessica Jeworutzki ist ihre eigene Geschichte der beste Beweis dafür, welches Potenzial in der Systemgastronomie steckt. Als Quereinsteigerin baute sie gemeinsam mit ihrem Partner ein Unternehmen auf, das heute selbst Menschen Perspektiven eröffnet. „Viele Mitarbeitende starten mit ihrem ersten Job oder als Spülkraft und übernehmen später Führungsverantwortung“, erzählt sie.

Die Systemgastronomie bietet aus Jessicas Sicht nicht nur Beschäftigten vielfältige Entwicklungschancen, sondern auch Gründerinnen und Gründern mit innovativen Ideen. „Wenn man Lust hat, etwas zu schaffen, dann ist die Systemgastronomie genau die richtige Branche. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen.“

Auf die Frage, welche drei Begriffe ihr spontan zur Systemgastronomie einfallen, muss Jessica nicht lange überlegen: „Vielfalt. Chancen. Nah am Menschen.“

Chancen brauchen gute Rahmenbedingungen

Für Jessica Jeworutzki ist ihre eigene Geschichte der beste Beweis dafür, welches Potenzial in der Systemgastronomie steckt.

Bei aller Begeisterung verschweigt Jessica Jeworutzki die Herausforderungen des Unternehmeralltags nicht. Bürokratische Hürden, langwierige Genehmigungsverfahren, steigende Kosten und aufwendige Visaverfahren für internationale Arbeitskräfte erschweren das Wachstum erheblich. Besonders frustrierend sind für sie die langen Verwaltungsprozesse: „Allein auf die Genehmigung für eine Außenterrasse warte ich an einem Standort inzwischen seit über einem Jahr – obwohl die Möbel längst bestellt sind.“

Auch die Einführung kommunaler Verpackungssteuern bereitet dem Unternehmen als To-go-Betrieb große Sorgen. Gerade Unternehmen, die investieren, wachsen und Arbeitsplätze schaffen wollen, brauchen aus ihrer Sicht verlässliche und praxistaugliche politische Rahmenbedingungen. „Man hat schon das Gefühl, dass es einem in Zukunft nicht unbedingt leichter gemacht wird. Das finde ich so schade. Wir als Mittelstand haben Lust zu arbeiten, stellen Mitarbeitende ein und bekommen trotzdem immer noch einen auf die Kappe. Ganz ehrlich: Das macht irgendwann einfach keinen Spaß mehr.“

Dennoch richtet Jessica Jeworutzki den Blick nach vorn. Aus einer Idee in der heimischen Küche ist innerhalb weniger Jahre ein erfolgreiches Unternehmen entstanden und die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Auf die Frage nach ihrem Wunsch für die Zukunft muss sie nicht lange überlegen: „Vielleicht die Expansion in die Niederlande.“

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