Reformvorschläge der Rentenkommission: BdS fordert Perspektive für Minijobs
„Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass nach Jahren der Diskussion nun konkrete Vorschläge für eine Reform der Alterssicherung auf dem Tisch liegen. Angesichts des demografischen Wandels sind mutige politische Entscheidungen über die langfristige Finanzierung der Rente längst überfällig. Mit der Abschaffung der abschlagsfreien Frührente, der Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und der Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors enthalten die Vorschläge der Kommission gute Impulse.
Kritisch sehen wir jedoch die Empfehlung, eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzrente durch zusätzliche Beiträge von Arbeitgebern und Beschäftigten zu finanzieren. Mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge kann sinnvoll sein – allerdings nur auf freiwilliger Basis. In Zeiten ausufernder Sozialbeiträge können zusätzliche Pflichtbeiträge, die Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen belasten, nicht die Lösung sein.
Für die Betriebe der Systemgastronomie würde dies einen weiteren Anstieg der ohnehin schon hohen Lohnnebenkosten bedeuten, während den Beschäftigten weniger Netto vom Brutto bliebe. Das setzt keine Anreize für mehr Beschäftigung, sondern verteuert Arbeit und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts.
Besonders kritisch sehen wir die vorgeschlagene Abschaffung der Minijobs. Der Wegfall dieses flexiblen Beschäftigungsmodells hätte gerade für die personalintensive Systemgastronomie gravierende Folgen. Minijobs verdrängen keine Vollzeitstellen, sondern aktivieren Arbeitspotential. Für die Systemgastronomie sind sie ein unverzichtbares Instrument, um Personal flexibel und verlässlich einzusetzen und Nachfrageschwankungen aufzufangen.
Die Lebensrealität zeigt: Minijobs werden längst nicht nur von Schülerinnen, Schülern oder Studierenden genutzt. Gerade Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit Nebentätigkeiten oder Beschäftigte in besonderen Lebenssituationen sind auf flexible Arbeitsmodelle angewiesen. Zudem ermöglichen Minijobs einen niedrigschwelligen Zugang zum Arbeitsmarkt. In der Systemgastronomie beginnen viele Erwerbsbiografien mit einem Minijob und führen über Ausbildung, Qualifizierung und beruflichen Aufstieg in langfristige Beschäftigung und Verantwortung. Als Branche der Chancen erleben wir jeden Tag, wie Minijobs Integration fördern und Perspektiven eröffnen. Wer diese infrage stellt, gefährdet funktionierende Beschäftigungsstrukturen ohne Not.
Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik müssen darauf ausgerichtet sein, Beschäftigung attraktiver zu machen, um mehr Menschen in Arbeit zu bringen und in Arbeit zu halten. Dafür braucht es Anreize, nicht zusätzliche Belastungen. Minijobs sind kein arbeitsmarktpolitisches Problem, sondern Teil der Lösung.“