„Du hast genau die richtige Entscheidung getroffen“

Wenn aus einer Chance ein Lebensweg wird

Wenn Olga Vos heute der jungen Frau begegnen könnte, die 2002 ihre Ausbildung in der Systemgastronomie begann, hätte sie vor allem eine Botschaft: „Du hast genau die richtige Entscheidung getroffen.“

Damals ahnte sie nicht, dass sie eines Tages Unternehmerin sein würde, vier McDonald's-Restaurants führen und Verantwortung für rund 300 Mitarbeitende tragen würde. Was als Ausbildung begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer außergewöhnlichen Karriere.

Heute blickt die 43-jährige Mutter von drei Kindern und Franchise-Nehmerin, mit großer Dankbarkeit auf ihren Werdegang zurück: „Ehrlich gesagt hätte ich mir damals nie vorstellen können, wohin mich dieser Weg einmal führen würde. Rückblickend ist alles sogar noch viel schöner geworden, als ich es mir damals erträumt hätte.“

Zwischen zwei Kulturen zuhause

Olga Vos kommt 1991 im Alter von acht Jahren mit ihrer Familie aus Russland nach Deutschland. Sie wächst in einem kleinen Dorf auf, in dem es damals nur wenige Kinder mit Migrationshintergrund gibt. Rückblickend empfindet sie genau das als Glück: „Dadurch haben wir die Sprache schnell gelernt und wurden von der Dorfgemeinschaft gut aufgenommen und integriert.“

Deutschland wird zu ihrer Heimat, dem Ort, an dem sie ihre Familie gründet und ihren beruflichen Weg findet. Gleichzeitig fühlt sie sich bis heute beiden Kulturen verbunden. „Ich trage zwei Kulturen in mir und genau das sehe ich als Bereicherung“, erzählt sie. Vielleicht ist es genau diese Erfahrung, die ihren Blick auf Menschen bis heute prägt. Herkunft spielt für sie keine entscheidende Rolle. Viel wichtiger sind Motivation, Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Ein Zufall, der alles verändert

Olga Vos führt vier McDonald's-Restaurants mit rund 300 Mitarbeitenden.

Als Olga Vos Anfang der 2000er-Jahre ihre Bewerbung bei McDonald's abschickt, verfolgt sie keinen großen Karriereplan. „Eigentlich bin ich eher durch Zufall in der Systemgastronomie gelandet.“ Der Bruder ihrer besten Freundin absolviert damals eine Ausbildung bei McDonald's und erzählt begeistert von seinen Entwicklungsmöglichkeiten. Seine Begeisterung steckt sie an. Da sie ohnehin in der Gastronomie arbeiten möchte, bewirbt sie sich kurzerhand. „Viel Gedanken darüber, was mich dort erwartet, habe ich mir damals ehrlich gesagt nicht gemacht. Ich habe einfach angefangen“, erinnert sie sich.

Die Chancen werden sichtbar

Doch schon während ihrer Ausbildung erlebt Olga Vos einen Moment, der ihren weiteren Berufsweg nachhaltig prägt: Das Restaurant bekommt einen neuen Restaurantleiter. Er ist gerade einmal 25 Jahre alt, hat selbst seine Ausbildung im Unternehmen absolviert und übernimmt bereits Verantwortung für einen ganzen Betrieb. Mir wurde zum ersten Mal bewusst, welche Möglichkeiten die Systemgastronomie gerade jungen Menschen bietet.“

Von diesem Moment an steht für sie fest: Auch sie möchte Verantwortung übernehmen, Menschen führen und Restaurantleiterin werden. Mit einem Lächeln erinnert sie sich noch heute an ihren Ehrgeiz. „Am liebsten natürlich noch ein bisschen früher als er.“ Ganz so schnell geht es zwar nicht. Doch die Richtung stimmt.

Familie oder Karriere?

Einige Jahre später steht Olga Vos vor einer richtungsweisenden Entscheidung. 2011 wird sie zum ersten Mal Mutter. Gemeinsam mit ihrem Mann entscheidet sie sich bewusst für ein Modell, das damals längst nicht selbstverständlich ist: Er übernimmt die Elternzeit, sie kehrt in den Beruf zurück. Für viele in ihrem Umfeld eine ungewohnte Situation, die traditionellen Rollenbilder waren noch fest verankert. „Viele konnten sich damals kaum vorstellen, dass der Vater die Betreuung übernimmt und die Mutter wieder arbeiten geht“, erinnert sie sich. Den Reaktionen begegnet die junge Mutter mit Humor: „Auf die Frage, ob mein Kind denn jetzt alleine zu Hause sei, habe ich immer geantwortet: ‚Nein – mit Papa und der Mikrowelle.‘“

Dass sie Familie und Karriere miteinander vereinbaren kann, liegt für Olga Vos an mehreren Faktoren: einem Partner, der den gemeinsamen Weg mitträgt, verlässlicher Kinderbetreuung und einem Arbeitgeber, der ihr Vertrauen schenkt. „Entscheidend war nicht, wie viele Stunden ich gearbeitet habe, sondern dass Verantwortung übernommen und Ergebnisse erzielt wurden.“ Dieses Vertrauen prägt ihren beruflichen Weg maßgeblich und deshalb ist die Unternehmerin bis heute überzeugt: „Wenn Partnerschaft, Kinderbetreuung und Vertrauen im Arbeitsumfeld zusammenkommen, müssen Familie und Karriere kein Widerspruch sein.“

„Ich habe definitiv Ketchup im Blut“

Schon während ihrer Ausbildung begeistert Olga Vos, was sie bis heute an der Systemgastronomie schätzt: die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und gemeinsam mit anderen zu wachsen. „Ich wurde herzlich empfangen, hatte einen klaren Einarbeitungsplan und wusste genau, welche Entwicklungsschritte vor mir liegen.“ Diese Mischung aus Struktur, Vertrauen und echten Perspektiven habe sie nie wieder losgelassen. Heute sagt sie: „Ich habe definitiv Ketchup im Blut.“

Was sie jedoch am meisten an ihrer Branche fasziniert, sind die Menschen. „Ich fahre jeden Tag gerne in unsere Restaurants, weil ich weiß, dass dort großartige Teams auf mich warten. Es macht mir Freude, mit den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen, gemeinsam Herausforderungen zu lösen und Erfolge zu feiern.“

Wie viel gute Führung bewirken kann, wurde Olga durch eine Begegnung besonders bewusst. Als eine langjährige Mitarbeiterin sie um ein Gespräch bittet, rechnet sie mit einem Problem. Stattdessen hört sie einen Satz, den sie bis heute bewegt: „Danke, dass du immer an mich geglaubt hast. Niemand hat bisher so an mich geglaubt wie du.“

Für Olga Vos ist dieser Moment bis heute etwas Besonderes: „Er hat mir gezeigt, wie viel Einfluss man als Führungskraft auf die Entwicklung eines Menschen haben kann – oft, ohne es selbst zu merken.“

Vielfalt als Erfolgsrezept

In ihren vier Restaurants arbeiten heute rund 300 Menschen aus unterschiedlichsten Nationen zusammen. „Diese Vielfalt ist für mich keine Besonderheit, sondern gelebter Alltag.“ Vielleicht, sagt sie, habe das auch mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. „Ich bin mit zwei Kulturen aufgewachsen und habe erlebt, wie bereichernd unterschiedliche Perspektiven sein können.“

Deshalb legt sie großen Wert auf ein Arbeitsumfeld, in dem sich alle willkommen fühlen und die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten haben. Immer wieder erlebt sie tolle Erfolgsgeschichten: „Ich kenne unzählige Geschichten von Menschen, die mit einer Ausbildung oder einem Nebenjob begonnen haben und heute Führungsverantwortung tragen oder selbst Unternehmerinnen und Unternehmer sind. Genau deshalb ist die Systemgastronomie für mich die Branche der Chancen.“

Auf die Frage, welche drei Begriffe ihr spontan zur Systemgastronomie einfallen, muss Olga Vos nicht lange überlegen: „Menschen. Entwicklung. Chancen.“ Drei Worte, die nicht nur ihre Branche beschreiben, sondern auch ihren eigenen Weg.

 

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