Teilzeitausbildung

Der BdS sieht in der Teilzeitausbildung eine interessante Möglichkeit zur Fachkräftesicherung in der Systemgastronomie. Wir wollten mehr über Modelle, Ablauf und mögliche Vorteile für Ausbildungsbetriebe wissen und haben Josefine Steiger von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben befragt.


BdS: Für wen kommt eine Teilzeitausbildung in Betracht?
Für Menschen, die bereits eine Ausbildung begonnen haben, diese aber wegen Elternzeit oder der Pflege eines Angehörigen unterbrechen und den Wiedereinstieg planen. Meistens handelt es sich um junge Mütter. Momentan suchen wir aber auch für den ersten männlichen Azubi einen Teilzeit-Ausbildungsplatz. Außerdem kann für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in Vollzeit ihre Ausbildung absolvieren können, z. B. auch bei psychischen Erkrankungen, oder für Profisportler/-innen mit hohem Trainingseinsatz eine Ausbildung in Teilzeit sinnvoll sein. Das Thema hat aus meiner Sicht echtes Potenzial – täglich erreichen mich Anrufe, meist junger Mütter.

BdS: Wie läuft eine Teilzeitausbildung ab? Gibt es mehrere Modelle?
Die häufigste Variante ist eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 25 bis 30 Stunden in der Woche. Wenn ein anrechenbarer Schulabschluss, z. B. Abitur oder mittlere Reife, oder Berufspraxis vorliegt, ist dies sogar ohne eine Verlängerung der dreijährigen Ausbildungsdauer möglich. In den anderen Fällen, also bei Hauptschülern, hat die Reduzierung der Arbeitszeit eine entsprechende Verlängerung der Ausbildungszeit zur Folge.

BdS: Welche Vorteile hat der Ausbildungsbetrieb?
Fachkräftesicherung durch diese alternative Ausbildungsform. Schließlich werden damit neue Zielgruppen angesprochen und fehlende Schulabgänger in den nächsten Jahren können dadurch zumindest anteilig kompensiert werden.

Die Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung steht für Familienfreundlichkeit, die den Unternehmen auch einen Imagevorteil bringt.

Der Betrieb kann den Azubi zeitlich passend zur Betriebsstruktur einsetzen. Hierzu zwei mir bekannte Best-Practice-Beispiele: Ein Einzelhandelsbetrieb setzt seine Teilzeit-Auszubildende nur von 16.00 Uhr bis 21.00 Uhr und ein Gastronomiebetrieb nur von Freitagmittag bis Sonntag ein. In beiden Fällen hatten die Frauen den Vater oder die Oma des Kindes als Betreuer und waren nicht auf eine Kita angewiesen. Ich finde, dass diese Modelle auch auf die Systemgastronomie übertragbar wären.

Es entstehen auch keine finanziellen Nachteile. Die monatliche Vergütung reduziert sich anteilig, was für kleinere Betriebe sogar interessant sein kann.

BdS: Wo erhalten Betriebe organisatorische Unterstützung bei der Durchführung einer Teilzeitausbildung?

Die Ausbildungsberater der IHKs sind die idealen Ansprechpartner. Wir helfen insbesondere bei der Vertragsgestaltung. Wir haben bei der IHK Schwaben z. B. als besonderen Service unser Bewerbungsmanagement, d. h., wir versuchen passgenau den richtigen Teilzeit-Azubi zu vermitteln. Leider gilt ein Kind noch als Handicap bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Die jungen Mütter brauchen uns als Türöffner. Bei der finanziellen Unterstützung sind die Arbeitsagenturen kompetente Ansprechpartner.