Geschlechterquote

Geschlechterquote in der Systemgastronomie

Während die gesetzliche Regelung über das Verhältnis der Geschlechter in Führungspositionen neu ist, gelingt die gelebte Chancengleichheit in den Betrieben der Systemgastronomie bereits - und zwar auf allen Ebenen: Etwa die Hälfte der Auszubildenden zum/zur Fachmann/-frau für Systemgastronomie sind weiblich. Im Crew-Bereich sind es rund 60 Prozent. Im Management arbeiten aktuell fast 52 Prozent Frauen. Die Branchenumfrage 2017 bestätigt damit die über Jahre stabilen positiven Ergebnisse.


Vielfalt in Führung

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Die Geburtsstunde des Weltfrauentages geht zurück auf den Kampf um das Frauenwahlrecht und Rechte der berufstätigen Frau. Aus heutiger Sicht sind das Selbstverständlichkeiten. Aber sind wir wirklich schon am Ziel? Wo stehen wir heute? Und wo gibt es noch Handlungsbedarf? Über Frauen im Erwerbsleben und wie die Systemgastronomie hier steht, spricht der BdS mit Gabriele Roß und Christiane Wörle, Chairwomen von McDonald’s Deutschland.
 

Geschlechterquote in der Systemgastronomie
Chairwomen Christiane Wörle und Gabriele Roß bei der 4. German Women's Network Konferenz

BdS: Sie sind Chairwomen von McDonald’s Deutschland. Was sind Ihre Aufgaben und Handlungsfelder?

Roß: Wir sind eine Gruppe von Frauen in Führungspositionen aus verschiedenen Business Bereichen unseres Unternehmens. Zusammen bilden wir das so genannte German Women’s Network Steering Committee. Es finden regelmäßige Treffen statt, bei denen wir einerseits unsere Strategie ausarbeiten, aber auch praktische Dinge umsetzen, wie die Planung von Events, Newsletter etc. Unser Ziel ist es, „Leadership Diversity“ bis in die obersten Führungsebenen zu fördern. Die Anzahl an Frauen und Männern, die in unserem Unternehmen ihre Karriere beginnen ist in etwa gleich. Genauso haben beide Gruppen vergleichbare Voraussetzungen was Ausbildung und Entwicklungspotential betrifft. Unser Ziel ist es, dass diese Geschlechterverteilung durch gleichberechtigte Förderung und Weiterentwicklung bis in die obersten Führungsebenen fortgesetzt wird. Deshalb unterbreiten wir z. B. unserer Personalabteilung regelmäßig Vorschläge, die dieses Ziel unterstützen, wie z. B. die Durchführung eines Mentoring Programms für talentierte Kolleginnen.

 

Gabriele Fanta, seit dem 1. April 2016 Vorstand Personal McDonald's Deutschland und Präsidentin im BdS

BdS: Die BdS-Mitgliederumfragen der letzten Jahre zeigen in der Crew und insbesondere auch im Management der Restaurants einen Frauenanteil von mehr als 50 Prozent. Ist das bei McDonald’s ebenso und worauf führen Sie das zurück?

Wörle: Wenn wir die Zahlen anschauen, sehen wir, dass mehr als 50 % der Frauen ihre Karriere in unseren Restaurants starten. Auf dem Weg zum Restaurant Manager bzw. zur Restaurant Managerin verschiebt sich das dann ein wenig. Mit 46 % Frauen im Restaurant Management kann man jedoch immer noch von einem fairen Verhältnis sprechen. 
McDonald’s ist seit jeher ein diverses Unternehmen in vielerlei Hinsicht. So arbeiten in unseren Restaurants Menschen aus 125 Nationen gleichberechtigt miteinander. Die Beförderungen im operatívenoperativen Bereich wurden stets ohne Betrachtung des Geschlechts vorgenommen.

 

Den Vorträgen folgte ein reger Austausch, links im Bild: Stellv. BdS-Hauptgeschäftsführerin Andrea Belegante

BdS: Oft wird von der weiblichen Doppelbelastung gesprochen. Wie können es Frauen schaffen den Berufsalltag und iIhr Familienleben (Kindererziehung) zu verbinden?

Wörle: Zu einer ausgewogenen Kombination von Berufsalltag und Familienleben mit Kindern gehören zwei ebenbürtige Partner, die sich gleichermaßen auch für familiäre Anliegen verantwortlich fühlen. Die Mechanik „wenn das Kind krank ist, bleibt automatisch die Frau zu Hause“ ist veraltet und führt in die falsche Richtung. 
Der Arbeitgeber kann natürlich ebenfalls seinen Beitrag leisten. Hier am Standort unseres Haupt-Servicecenters sind wir in der vorteilhaften Situation, über einen Kindergarten sowie eine Kinderkrippe zu verfügen. Auch flexible Arbeitszeiten sind seit langem etabliert und helfen bei der Organisation von Beruf und Familienleben.
Ein wichtiges Kriterium, wenn nicht das ausschlaggebende bei der Entscheidung, wer wie lange in Elternzeit geht, ist beispielsweise auch das Thema Equal Pay. Wenn der Verdienst von Mann und Frau gleich hoch ist, sind Paare auch eher bereit, die Elternzeit gleichwertig untereinander aufzuteilen, sodass keiner zu lange seinem Arbeitsplatz fernbleibt.

BdS: Politik und Wirtschaft diskutieren regelmäßig über Frauen im Berufsleben und in Führungspositionen. Wo sehen Sie noch Verbesserungspotential bei den tatsächlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen?

 

4. German Women's Network Konferenz

Roß: Die Frauenquote wird von Anfang an – meines Erachtens zu Recht – sehr konträr diskutiert, da sich rechtliche Vorgaben meist nicht für alle Betriebe gleich gut eignen. Wenn Quoten eingeführt werden, dann immer in Stufen, damit die Betriebe schritthalten können. Sehr wichtig für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der Anspruch auf Kinderbetreuung. Insgesamt sollten den Eltern für ihre Kinder ausreichend öffentliche Betreuungseinrichtungen zur Verfügung stehen und die Kosten für Kinderbetreuung wie auch für Schulbildung für die Eltern möglichst gering gehalten werden. Ich persönlich erachte auch eine steuerliche Begünstigung von Frauen und Männern mit Kindern im Alter bis 10 Jahren für sinnvoll, wenn beide Elternteile mind. 30 Std./Woche arbeiten.

BdS: Welche Tipps möchten Sie Berufsanfängerinnen mit auf den Weg in ein Erfolgreiches Berufsleben geben?

Roß: Zum jetzigen Zeitpunkt sind überwiegend Männer in Spitzenpositionen und damit auch die Entscheider in Bezug auf ihre Nachfolger und künftige Karrieren. Ich halte es daher für sehr wichtig, dass Frauen bereits zu Beginn ihres Berufslebens ein Bewusstsein für häufig anzutreffende unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen von Frauen und Männern entwickeln. Genauso wichtig ist es, dass Frauen ebenso selbstbewusst und mutig in ihrer Karriereplanung und -–umsetzung sind wie Männer. Möglicherweise handeln Frauen um- und weitsichtiger als Männer und lassen sich daher schon einmal von einem potentiellen Risiko zu Scheitern vom nächsten Karriereschritt abhalten. Dieses Risikomanagement sollte meines Erachtens optimiert werden. Vielmehr wäre es wünschenswert, wenn auch Frauen das Positive, das mit neuen Herausforderungen und der Übernahme von mehr beruflicher Verantwortung verbunden ist, stärker bewerten.

BdS: Frau Roß und Frau Wörle, vielen Dank für das Gespräch.